Donnerstag, 27. Oktober 2011


Ulrich Wickert’s Appell für mehr Ethik in der Wirtschaft

Sein neuestes Buch heißt: „Redet Geld, schweigt die Welt“

Die Welt ist schlecht. Es gibt nur Geldgier, Korruption und Ausbeutung. Diesen Eindruck kann der Leser von Ulrich Wickert’s neuestem Buch „Redet Geld, schweigt die Welt“ bekommen. Doch der bekannte Fernseh-Journalist, der seit Jahren mit seinen Büchern (Gauner muss man Gauner nennen, Der Ehrliche ist der Dumme) für mehr Moral und Ehrlichkeit kämpft, zeigt auch positive Beispiele.
Er schlägt in seinem Sachbuch einen großen Bogen, angefangen bei den Machenschaften von Banken wie der Deutschen Bank, der Hypovereinsbank, Lehman, UBS, American Express, ABN Amro, Credit Suisse und Barclays über verloren gegangene Tugenden ehrbarer Kaufleute bis hin zu Musterfirmen, die mit positivem Beispiel vorangehen. Es ist ein sehr intelligentes Buch, das auch die Ursachen für unethisches Handeln aufzeigt und nicht verbittert anklagt.
Wickert räumt auch mit dem Vorurteil auf, dass nur Reiche gierig seien. Ganz klar kategorisiert er jedoch Männer als die geldgierige Spezies, die im permanenten Wettstreit um das größere Haus, das schnellere Auto oder das höhere Bankkonto ist. Weil Geld angeblich Macht bedeutet.
Doch es gibt auch mutige Menschen im Kampf gegen das Böse. Undercoveragent Robert Musella alias Bob Mazur enttarnte 80 Drogenhändler und Banker. Aufgrund seiner erfolgreichen Agententätigkeit musste die größte Privatbank der Welt schließen. Die Bank of Credit and Commerce International war eine Geldwaschanlage. Musella wurde von Drogenbossen bedroht und musste untertauchen. Die amerikanische Großbank Wachovia schleuste 400 Milliarden US-Dollar aus Mexiko über ihre Konten. 14 Milliarden davon per Lastwagen. Wachovia zahlte eine halbe Milliarde Strafe, ohne jedoch ins Gefängnis zu kommen.
Wirtschaft und Ethik passen nicht zusammen und werden auch nicht an den Hochschulen gelehrt. Das ist ein Manko, so der Verfasser. Denn für ihn sind Gewissen und Scham die wirksamsten Mittel gegen Laster und ein Garant für ethische Regeln. „Gier darf nicht das alleinige Unternehmensziel sein“, konstatiert der ehemalige Auslandskorrespondent. Es geht auch anders wie beim norwegischen Pensionsfond. Maximaler Profit mit ethisch korrektem Anspruch, kann funktionieren. Das muss sich nicht ausschließen. Wickert nennt Firmen in Deutschland, die moralisch handeln. Und damit erfolgreich sind.
Dieses Buch sollte in jedem Bücherregal von Bankern, Unternehmern und Wirtschaftsstudenten stehen.
© Corinna S. Heyn

Ulrich Wickert,
Redet Geld, schweigt die Welt.
Was uns Werte wert sein müssen.
Hoffmann und Campe 2011.
www.hoca.de

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