Ulrich Wickert’s Appell für
mehr Ethik in der Wirtschaft
Sein neuestes Buch heißt:
„Redet Geld, schweigt die Welt“
Die Welt ist schlecht. Es
gibt nur Geldgier, Korruption und Ausbeutung. Diesen Eindruck kann der Leser
von Ulrich Wickert’s neuestem Buch „Redet Geld, schweigt die Welt“ bekommen.
Doch der bekannte Fernseh-Journalist, der seit Jahren mit seinen Büchern (Gauner muss man Gauner nennen, Der Ehrliche
ist der Dumme) für mehr Moral und Ehrlichkeit kämpft, zeigt auch positive
Beispiele.
Er schlägt in seinem
Sachbuch einen großen Bogen, angefangen bei den Machenschaften von Banken wie
der Deutschen Bank, der Hypovereinsbank, Lehman, UBS, American Express, ABN
Amro, Credit Suisse und Barclays über verloren gegangene Tugenden ehrbarer
Kaufleute bis hin zu Musterfirmen, die mit positivem Beispiel vorangehen. Es
ist ein sehr intelligentes Buch, das auch die Ursachen für unethisches Handeln
aufzeigt und nicht verbittert anklagt.
Wickert räumt auch mit dem
Vorurteil auf, dass nur Reiche gierig seien. Ganz klar kategorisiert er jedoch
Männer als die geldgierige Spezies, die im permanenten Wettstreit um das
größere Haus, das schnellere Auto oder das höhere Bankkonto ist. Weil Geld
angeblich Macht bedeutet.
Doch es gibt auch mutige
Menschen im Kampf gegen das Böse. Undercoveragent Robert Musella alias Bob
Mazur enttarnte 80 Drogenhändler und Banker. Aufgrund seiner erfolgreichen
Agententätigkeit musste die größte Privatbank der Welt schließen. Die Bank of
Credit and Commerce International war eine Geldwaschanlage. Musella wurde von
Drogenbossen bedroht und musste untertauchen. Die amerikanische Großbank
Wachovia schleuste 400 Milliarden US-Dollar aus Mexiko über ihre Konten. 14
Milliarden davon per Lastwagen. Wachovia zahlte eine halbe Milliarde Strafe,
ohne jedoch ins Gefängnis zu kommen.
Wirtschaft und Ethik passen
nicht zusammen und werden auch nicht an den Hochschulen gelehrt. Das ist ein
Manko, so der Verfasser. Denn für ihn sind Gewissen und Scham die wirksamsten
Mittel gegen Laster und ein Garant für ethische Regeln. „Gier darf nicht das
alleinige Unternehmensziel sein“, konstatiert der ehemalige
Auslandskorrespondent. Es geht auch anders wie beim norwegischen Pensionsfond.
Maximaler Profit mit ethisch korrektem Anspruch, kann funktionieren. Das muss
sich nicht ausschließen. Wickert nennt Firmen in Deutschland, die moralisch
handeln. Und damit erfolgreich sind.
Dieses Buch sollte in jedem
Bücherregal von Bankern, Unternehmern und Wirtschaftsstudenten stehen.
© Corinna S. Heyn
Ulrich Wickert,
Redet Geld, schweigt die Welt.
Was uns Werte wert sein müssen.
Hoffmann und Campe 2011.
www.hoca.de